Das Fahrradfahren

LEICHTIGKEIT UND FREIHEIT

Ich bin schon immer gerne Fahrrad gefahren. Wie ich das gelernt habe, daran kann ich mich nicht erinnern.

Auf dem Kinderfoto sieht man ein rotes Fahrrad mit Stützrädern. Typisch für die 70-ziger Jahre. Auf jeden Fall habe ich gelernt auch ohne Stützräder zu fahren. Meine Milchschneidezähne, ich glaube die Oberen, habe ich mir bei einem Sturz mit dem Fahrrad ausgeschlagen. Deswegen lispelte ich eine Zeitlang.

Vorausgegangen war eine Betäubungsspritze und dem Verbot mit den Geschwistern draußen auf der Straße zu spielen. Und dem war am Vorabend vorausgegangen, dass ich mir mit der Brotmaschine in den rechten Zeigefinger geschnitten hatte. Ich verlor meine zwei Milchzähne unter dem Fahrrad, aber nicht meine Freude am Fahrradfahren.

Mein rotes Fahrrad, das ich mir mit 15 Jahren zusammen mit meinem Papa gekaufte habe, besitze ich immer noch und fahre regelmäßig mit ihm.

Als ich für das Studium von zu Hause auszog, ließ ich das Fahrrad im elterlichen Keller stehen, so kam mein Fahrrad einigen unruhigen und gefährlichen Jahren davon. Zwei meiner Studien-Fahrräder haben diese Zeit nicht überstanden.

Ich stecke viel Geld in das geliebte Fahrrad. Immer wieder sagt mir ein Fahrradhändler, dass ich mir für das Geld und in Anbetracht zukünftig notwendiger Reparaturen ein Neues kaufen sollte. Dann wird es Zeit den Fahrradhändler zu wechseln. Ich brauche jemanden, der mit Liebe das noch Machbare repariert oder auch halbwegs modernisiert. Aktuell habe ich einen neuen, schwarz glänzenden Gepäckträger. Der hält auch auf Rost.

Auch das Sattelgelenkt ist verrostet, das ich ihn nicht höher stellen kann. Obwohl ich das Gefühl habe, dass mir das Fahrrad etwas zu klein ist. Bin ich gewachsen? Es fährt sich super mit diesem roten, verrosteten Fahrrad. Die Gangschaltung hakt. Manchmal springt ein Gang von selbst um, und ich muss bergauf- oder bergab unerwartet auf einen anderen Gang reagieren. Es wird nicht langweilig.

Heute habe ich ein zweites, sehr bequemes Fahrrad, von einer Tante. Der Sattel ist für mein Alter zu weich und groß. Es hat einen niedrigen Einstieg, so dass ich kaum mein Bein heben muss. Es ist grau. Es fährt sich ungewohnt mit einer Rücktrittbremse. Zu Beginn war das nicht leicht, da ich mit meinem roten Fahrrad wartend an einer Ampel die Pedale schon mal rückwärts im Leerlauf treten konnte.

Mein rotes Fahrrad hat vorne einen kleinen schwarzen Fahrradkorb aus Metall. Eine Zeitlang hatte ich hinten einen Kindersitz montiert, auf dem ich auch unglaublich viele Einkäufe prima anschnallen konnte.

Die Touren mit dem Kind hinter mir, bin ich immer sehr gerne gefahren. Jetzt fährt es schon selbst neben mir und manchmal strecke ich meinen linken Arm aus, greife unterhalb seines Nackens und schiebe es an. Aber das wird immer weniger.

Als Teenager bin ich öfters mit dem Fahrrad zur Schule gefahren. Gut sieben Kilometer. Fahrradfahren befreite. Ich musste nicht zum Zug rennen oder auf den Bus warten, die sowieso nur zweimal täglich fuhren.

Das mag ich heute noch am Fahrradfahren: ich bin unabhängig. Ich trete aus dem Haus, schwinge mich auf den Sattel und fahre los. In der Stadt erledige ich alles auf dem roten Drahtesel.

Auf dem Fahrrad sitzend, wird mein Körper leicht. Ich lasse die Gedanken leicht werden.

Auf dem Fahrrad unterwegs zu sein, lässt das Leben leichter sein. Es ist wie schwimmen in der Luft.

 

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